{"id":2590,"date":"2017-06-08T16:00:30","date_gmt":"2017-06-08T16:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/syntracf.com\/barwertverfahren-eine-kurze-kritik\/"},"modified":"2024-11-17T10:03:18","modified_gmt":"2024-11-17T10:03:18","slug":"barwertverfahren-eine-kurze-kritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/syntracf.com\/en\/barwertverfahren-eine-kurze-kritik\/","title":{"rendered":"Barwertverfahren \u2013 eine kurze Kritik"},"content":{"rendered":"<p>Es existieren viele verschiedene Methoden zur Berechnung des korrekten Unternehmenswertes. Hierbei hat sich im Laufe der Jahre besonders die finanzmathematische Unternehmensbewertung mittels sogenannter Barwertverfahren durchgesetzt. Hierbei werden erwartete zuk\u00fcnftige Zahlungsstr\u00f6me um die erwarteten durchschnittlichen Kapitalkosten aller Kapitalgeber abgezinst.<\/p>\n<p>Dieses in der Theorie sehr einfache Verfahren, bringt in der Praxis jedoch einige erhebliche Probleme mit sich. So m\u00fcssen f\u00fcr die Berechnung die sogenannten Eigenkapitalkosten bekannt sein. Hierbei handelt es sich nicht um tats\u00e4chlich anfallende Kosten, sondern um die von Seiten der Unternehmenseigent\u00fcmer (z.B. Aktion\u00e4re) mindestens geforderte Rendite. Sollte die Rendite vom Unternehmen nicht erreicht werden, so w\u00e4re es f\u00fcr die Eigent\u00fcmer vorteilhafter ihr Kapital in andere Anlagen, z.B. Staatsanleihen zu investieren. Sie w\u00fcrden daher Ihr Kapital aus dem Unternehmen abziehen. Diese Eigenkapitalkosten k\u00f6nnen allerdings nicht direkt bestimmt werden, es muss sich daher mit mehr- oder minder genauen Modellen geholfen werden. Eine verbreitete Methode ist die Bestimmung dieser Kosten mithilfe des Capital Asset Pricing Models (CAPM). Bei diesem setzen sich die Eigenkapitalkosten durch einen Basiszins (eine sicher zu erzielende Rendite, beispielsweise sehr sichere Staatsanleihen) und einen Risikozuschlag zusammen.<\/p>\n<p>Genau in dieser Zusammensetzung liegt die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che der Barwert-Bewertungsverfahren. So kann der Basiszinssatz nur auf kurze Frist vorhergesagt werden. Vor wenigen Jahren h\u00e4tte z.B. niemand ernsthaft gedacht, dass Anleger irgendwann bereit sein w\u00fcrden negative Zinsen f\u00fcr deutsche Staatsanleihen zu zahlen. Bedenkt man, welch starken Einfluss eine \u00c4nderung des Basiszinssatzes um nur wenige Zehntelprozent auf das Bewertungsergebnis hat, erkennt man die Schwierigkeit bei der Prognose des Basiszinssatzes.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Risikozuschlag. Dieser sagt aus, dass Investoren durchaus bereit sind Risiken zu \u00fcbernehmen, solange sie hierf\u00fcr entsprechend h\u00f6here Renditen erhalten. Das CAPM berechnet diesen Zuschlag durch die Multiplikation der erwarteten Marktrendite mit dem Risikofaktor (genannt Beta). Der Betafaktor beschreibt das Risiko des Gesamtmarktes, d.h. inwiefern die Rendite eines Unternehmens mit dem Gesamtmarkt korreliert. Hierbei wird untersucht, wie sich der Aktienkurs eines Unternehmens im Vergleich zum Gesamtmarkt verh\u00e4lt. Das unsystematische Risiko, also das individuelle Unternehmensrisiko, wird \u00fcberhaupt nicht betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass ein Investor perfekt rational handelt und sein Geld gleichm\u00e4\u00dfig im gesamten Markt investiert hat. Auf die Praxis \u00fcbertragen bedeutet dies, dass davon ausgegangen wird, dass ein durchschnittlicher Anleger Aktien eines jeden Unternehmens des gesamten Marktes h\u00e4lt. In der Realit\u00e4t bedarf es keinerlei ausgepr\u00e4gten Finanz-Kenntnisse um festzustellen, dass diese Annahme auf dem realen Markt v\u00f6llig unrealistisch ist.<\/p>\n<p>Erschwerend kommt hinzu, dass selbst unter den im CAPM getroffenen Annahmen der Betafaktor nur f\u00fcr Aktiengesellschaften berechnet werden kann. F\u00fcr ein Unternehmen, dessen Anteile nicht \u00f6ffentlich gehandelt werden, kann schlie\u00dflich kein Aktienkurs feststehen. Daher greift man bei der Bewertung eines nicht \u00f6ffentlich gehandelten Unternehmens auf Vergleichswerte zur\u00fcck. Allerdings ist es auch hier in der Praxis unrealistisch, dass zwei \u00e4hnliche Unternehmen eine komplett identische Risikostruktur haben. Und es kommt noch schlimmer f\u00fcr die Validit\u00e4t des CAPM: Selbst wenn man all diese Einschr\u00e4nkungen akzeptiert, haben Studien und Untersuchungen gezeigt, dass das tats\u00e4chliche Risiko (und die Rendite) eines Unternehmens von ganz anderen Faktoren, wie z.B. der Unternehmensgr\u00f6\u00dfe abh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Der Unternehmenswert setzt sich unserer Meinung nach haupts\u00e4chlich aus zuk\u00fcnftigen Wachstumschancen, zuk\u00fcnftigem Risiko sowie der Ertragsstruktur des betrachteten Unternehmens zusammen. Eine Reduzierung des Unternehmenswertes auf eine reine Risikobetrachtung, f\u00fcr welche auch noch mehrere in der Realit\u00e4t unm\u00f6gliche Annahmen getroffen werden m\u00fcssen, erf\u00fcllt f\u00fcr uns nicht unsere Anforderungen an eine seri\u00f6se Unternehmensbewertung. Finanzmathematische Bewertungsverfahren sind uns nicht zu kompliziert, wir verzichten auch nicht auf sie, weil sie uns zu aufwendig sind. Vielmehr hat die Vergangenheit gezeigt, dass unsere marktbasierte Unternehmensbewertung, mit welcher wir die tats\u00e4chlichen Kaufpreise (und somit den Unternehmenswert) sehr genau vorhersagen, den derzeitig gebr\u00e4uchlichen theoretischen Berechnungsverfahren \u00fcberlegen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im M&#038;A Gesch\u00e4ft gleicht kein Projekt dem anderen, dies ist einer der vielen Gr\u00fcnde, der unsere Arbeit so spannend macht. Bei all den Unterschieden zwischen den einzelnen Projekten beim Unternehmensverkauf gibt es jedoch einen Vorgang, ohne den keine unserer Transaktionen funktionieren w\u00fcrde. Dies ist die Unternehmensbewertung. 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