{"id":2585,"date":"2019-01-30T14:13:08","date_gmt":"2019-01-30T14:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/syntracf.com\/trugschluss-nachfolgewelle\/"},"modified":"2024-11-17T09:58:04","modified_gmt":"2024-11-17T09:58:04","slug":"trugschluss-nachfolgewelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/syntracf.com\/en\/trugschluss-nachfolgewelle\/","title":{"rendered":"Trugschluss &#8220;Nachfolgewelle&#8221;?"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Welle ist Normalit\u00e4t<\/b><br \/>\nUnabh\u00e4ngige Studien zeigen, dass in Deutschland bereits seit vielen Jahren stets f\u00fcr rund 100.000 Unternehmer im deutschen Mittelstand j\u00e4hrlich die Nachfolge ansteht. 200.000 Nachfolgesituationen innerhalb von zwei Jahren (bis Ende 2020) sind folglich Normalit\u00e4t und keine Ausnahme.<\/p>\n<p><b>Gesunde Relation<\/b><br \/>\nUnterzieht man nun diese rund 100.000 Nachfolgesituationen pro Jahr einer detaillierteren Analyse, ergibt sich folgendes Bild: Der deutsche Mittelstand besteht aus rund 3,7 Millionen Unternehmen (Quelle KfW Mittelstandspanel 2018). D.h. f\u00fcr lediglich 3 % aller Unternehmen steht die Staffel\u00fcbergabe j\u00e4hrlich an. Das ist an sich bereits eine v\u00f6llig gesunde Relation, die keinen R\u00fcckschluss auf eine eventuelle &#8220;Gef\u00e4hrdung des R\u00fcckgrats der deutschen Wirtschaft&#8221; zul\u00e4sst.<\/p>\n<p><b>Strukturwandel<\/b><br \/>\nBezieht man nun die Stratifikation des deutschen Mittelstandes in die Analyse mit ein, wird Folgendes deutlich: 94% aller Unternehmen haben einen Umsatz von weniger als 2 Millionen Euro, 90 % weniger als 10 Besch\u00e4ftigte . D.h. die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der betroffenen Unternehmen ist aufgrund der zumeist zu starken pers\u00f6nlichen Bindung an den Inhaber nur schwer bis gar nicht \u00fcbertragbar. Versch\u00e4rfend kommt hinzu, dass diese Kleinstunternehmen zwar durchaus die Keimzellen f\u00fcr die sp\u00e4tere Entwicklung gr\u00f6\u00dferer Mittelst\u00e4ndler darstellen k\u00f6nnen, h\u00e4ufiger jedoch in wenig zukunftstr\u00e4chtigen Branchen beheimatet sind (Einzelhandel), die gegenw\u00e4rtig einer verst\u00e4rkten, und insgesamt v\u00f6llig angemessenen\/nat\u00fcrlichen Marktbereinigung ausgesetzt sind.<\/p>\n<p><b>Nur f\u00fcr wenige Unternehmen besteht tats\u00e4chlich auch ein Markt<\/b><br \/>\nLediglich f\u00fcr 8 \u2013 10.000 Unternehmen besteht pro Jahr demnach auch eine tats\u00e4chliche Nachfrage. Hiervon geben nun allerdings bereits zwei Drittel an, entweder die Nachfolge gel\u00f6st zu haben oder sich zumindest bereits in Gespr\u00e4chen dar\u00fcber zu befinden (Quelle KfW Mittelstandspanel). Es bleiben folglich lediglich 2.640 bis 3.300 Unternehmen \u00fcbrig, die ggf. mit professioneller Hilfe pro Jahr an den Markt gebracht werden k\u00f6nnen. Von einer &#8220;Welle&#8221; kann wohl kaum ausgegangen werden.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><br \/>\nDie vermeintliche &#8220;Nachfolgewelle&#8221; entpuppt sich als jahrzehntealtes Kontinuum. Wenn bei lediglich 3 % aller Unternehmen j\u00e4hrlich eine Nachfolge ansteht, handelt es sich grunds\u00e4tzlich auch um einen gesunden Erneuerungsprozess, der zudem haupts\u00e4chlich Kleinstunternehmen betrifft. Hier herrscht also erst einmal Entwarnung.<\/p>\n<p>Hochgradig verbesserungsw\u00fcrdig sind allerdings die Hilfestellungen, die Unternehmern gegeben werden k\u00f6nnen, die mit einem Umsatz von weniger als 5 Millionen Euro jenseits des Investitionsradars klassischer Investoren stehen, aber die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Nachfolgesituationen darstellen.<\/p>\n<p>Hier sind Finanzinvestoren und Family Offices aufgerufen, ihre Mindestinvestitionskriterien zu \u00fcberpr\u00fcfen und anzupassen. Auch f\u00fcr strategische K\u00e4ufer bieten sich in diesem bislang vernachl\u00e4ssigten Bereich erhebliche Akquisitions-, vor allem aber Innovationspotentiale. Besonders geeignet sind diese F\u00e4lle aber f\u00fcr Privatpersonen, die sich \u00fcber ein sog. Management Buy In in solche Unternehmen einkaufen. Eine immer attraktiver werdende Alternative zum Angestelltendasein.<\/p>\n<p>Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Zusammenhang aber eine ad\u00e4quate Ausbildung der nachr\u00fcckenden Generationen: Hier sollte das Unternehmertum st\u00e4rker als Alternative gegen\u00fcber dem Anstellungsverh\u00e4ltnis vermittelt werden, um den Markt f\u00fcr die Nachfolge auch f\u00fcr Absolventen attraktiv werden zu lassen. Warum eine hochriskante Start-up-Karriere wagen, wenn ich mit einem bereits etablierten Unternehmen gleich voll durchstarten kann?<\/p>\n<p>Die F\u00e4lle nehmen gl\u00fccklicher Weise zu, in denen Absolventen einer Ausbildung zwei Jahre lang an der Seite des Altinhabers &#8220;on the job&#8221; auf die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung vorbereitet werden und danach die F\u00fchrung des Unternehmens durchaus sehr erfolgreich \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><sup>1<\/sup>\u00a0Prof. Dr. Birgit Felden, Leiterin des Studiengangs &#8220;Unternehmensgr\u00fcndung und -nachfolge&#8221; an der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin<br \/>\n<sup>2<\/sup>\u00a0<a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/239418\/umfrage\/unternehmen-in-deutschland-nach-umsatzgroessenklassen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/239418\/umfrage\/unternehmen-in-deutschland-nach-umsatzgroessenklassen\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder ist es soweit: P\u00fcnktlich zum Jahresbeginn ver\u00f6ffentlicht die KfW die Zahlen der j\u00fcngsten Erhebung im Mittelstandspanel. Und wie auch in den letzten Jahren rollt angeblich erneut eine &#8220;Nachfolgewelle&#8221; \u00fcber Deutschland hinweg: 200.000 Mittelst\u00e4ndler suchen bis Ende 2020 &#8220;h\u00e4nderingend&#8221; einen Nachfolger.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":1236,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[60],"class_list":["post-2585","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog-en"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2585"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2585\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/syntracf.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}