{"id":2556,"date":"2023-10-04T13:04:37","date_gmt":"2023-10-04T13:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/syntracf.com\/jedes-geschaeftsmodell-steht-mittlerweile-auf-dem-pruefstand\/"},"modified":"2024-11-15T14:50:21","modified_gmt":"2024-11-15T14:50:21","slug":"jedes-geschaeftsmodell-steht-mittlerweile-auf-dem-pruefstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/syntracf.com\/en\/jedes-geschaeftsmodell-steht-mittlerweile-auf-dem-pruefstand\/","title":{"rendered":"\u201eJedes Gesch\u00e4ftsmodell steht mittlerweile auf dem Pr\u00fcfstand\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Von Alexander G\u00f6rbing<\/p>\n<p><strong>Unternehmeredition: Ab wann sollte man sich Gedanken \u00fcber eine Unternehmensnachfolge machen? Gibt es einen optimalen Zeitpunkt oder einen \u201eTag X\u201c? Wie sieht hier Ihre Erfahrung aus?<\/strong><\/p>\n<p><i>Patrick Seip:<\/i>\u00a0Der eine \u201eTag X\u201c existiert nicht. Aus meiner Sicht gilt aber dabei: Zu fr\u00fch gibt es nicht. Einen Plan sollte jeder Unternehmer in der Schublade haben \u2013 schlie\u00dflich geht es hierbei nicht um irgendeine unwichtige operative Entscheidung, sondern um den Fortbestand des Unternehmens. Entsprechende W\u00fcrdigung verdient das Thema. Es kann beispielsweise auch ein Notfall eintreten, der Unternehmer f\u00e4llt aus. Auch daf\u00fcr braucht es Regelungen. Und wenn ein Alter von 60 \u00fcberschritten ist, dann wird es eigentlich h\u00f6chste Zeit. Ist das Unternehmen nicht vorbereitet, kann sich eine Nachfolgeregelung hinziehen, es kann immer etwas dazwischenkommen \u2013 wie zuletzt Corona oder die Energiekrise durch den Ukrainekrieg. Grunds\u00e4tzlich sollte ein Unternehmer regelm\u00e4\u00dfig in sich hineinh\u00f6ren und fragen, ob er noch f\u00fcr seine Firma und die weitere Entwicklung brennt. Ist das nicht mehr der Fall, kann es richtig sein, sich selbst zur\u00fcckzunehmen und das Unternehmen und die langj\u00e4hrigen Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu r\u00fccken.<\/p>\n<p><strong>Brauche ich zur Vorbereitung eines Verkaufs externe Hilfe?<\/strong><\/p>\n<p>Man kann diesen ganzen Prozess auch selbst machen \u2013 im Prinzip ist das m\u00f6glich. Die Begleitung ist aufwendig und sie kostet viel Zeit und Nerven, genau das also, wovon der typische Unternehmer am wenigsten hat. Man muss sich intensiv damit besch\u00e4ftigen. Ein Unternehmer muss sich schon die Frage stellen, ob er das neben den tagt\u00e4glichen Aufgaben der Betriebsf\u00fchrung gew\u00e4hrleisten kann. Ist ein Verkaufsprozess mal in vollem Gange, muss daf\u00fcr immer ausreichend Zeit eingeplant werden; Verz\u00f6gerungen sind Gift. Da helfen auch keine operativen Ausreden. Es ist also in jedem Fall besser, einen Experten f\u00fcr die Prozessf\u00fchrung und Entscheidungsvorbereitung hinzuzuziehen. Dieser kann auch dabei helfen, zun\u00e4chst den Status quo festzustellen und eine realistische und aktuelle Wertvermittlung vorzunehmen. Erfahrene Berater kennen die Fallstricke einer \u00dcbergabe. Ich muss nicht die gleichen Fehler machen wie viele vor mir. Es geht vor dem eigentlichen Verkaufsprozess auch darum, die Attraktivit\u00e4t zu beurteilen und eventuell mit gen\u00fcgend Vorlauf zu steigern oder die Verkaufsf\u00e4higkeit erst herzustellen.<\/p>\n<p><strong>Was hat sich auf dem Markt der Unternehmensnachfolge getan?<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Ereignisse der letzten Jahre wird noch viel st\u00e4rker in die Zukunft gedacht. Jedes Gesch\u00e4ftsmodell steht mittlerweile auf dem Pr\u00fcfstand. Was \u00fcber Jahrzehnte erfolgreich war, kann \u00fcbermorgen schon obsolet sein. Die gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit, wie der Klimawandel, befeuern bestehende Megatrends oder rufen neue hervor. Es ist noch wichtiger geworden, vorausschauend zu denken, kommende Entwicklungen vorwegzunehmen und dann auch flexibel und schnell zu handeln. Profiteure von diesen Entwicklungen sind unter anderem Spezialisten aus den verschiedensten Branchen mit Fokus auf Themen wie erneuerbare Energien, Infrastrukturausbau, Digitalisierung und Automatisierung, Bildung, Mobilit\u00e4t oder Sicherheit. Bei den Motiven f\u00fcr \u00dcbernahmen herrschen Nachhaltigkeit, Technologievorsprung, Erweiterung des bestehenden Gesch\u00e4ftsmodells oder auch Risikoallokation vor. Renditeorientierte Investoren bauen verst\u00e4rkt auf alternative Strategien, um den fehlenden Leverage-Effekt zu kompensieren. Es geht immer h\u00e4ufiger um die Frage: \u201eWie kann ich mein Portfolio gezielt und sinnvoll erg\u00e4nzen?\u201c Dadurch sind Buy-and-Build-Strategien gerade in fragmentierten Branchen weiter auf dem Vormarsch. Das macht auch kleine Unternehmen f\u00fcr Private Equity interessant und schafft neue Optionen f\u00fcr die Nachfolge.<\/p>\n<p><strong>Wo finde ich externe Berater f\u00fcr den Unternehmensverkauf am besten? Was zeichnet einen guten M&amp;A-Berater aus Ihrer Sicht besonders aus?<\/strong><\/p>\n<p>Der Markt ist mittlerweile sehr intransparent. Das macht unter anderem die Abgrenzung zwischen Berater und Vermittler schwierig. Ich rate immer dazu, bei der Suche und Auswahl gewissenhaft vorzugehen und neben dem Bauchgef\u00fchl auch eine zweite Meinung einzuholen, zum Beispiel durch den vertrauten Steuerberater oder Rechtsanwalt. Objektive Kriterien k\u00f6nnen sogenannte League Tables sein: Das sind Rankings, die einmal pro Quartal Beratungsh\u00e4user nach der Anzahl ihrer erfolgreich abgeschlossenen Transaktionen in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfensegmenten und Regionen listen. Das gr\u00f6\u00dfte Qualit\u00e4tsmerkmal ist jedoch Kontinuit\u00e4t \u2013 wer es in einem volatilen Beratermarkt schafft, sich \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg mit hoher Dealaktivit\u00e4t positiv zu entwickeln, kann zwangsl\u00e4ufig keine schlechte Wahl sein. \u00c4hnliche Referenzen weisen zudem auf ein gutes Netzwerk und Erfahrungen aus vergleichbaren Transaktionen hin. Der Fokus des Beratungshauses sollte zur Unternehmensgr\u00f6\u00dfe passen, damit das Vorhaben auch die verdiente Aufmerksamkeit erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht als Berater eine optimale Vorbereitung f\u00fcr einen Unternehmensverkauf? Welche Informationen braucht der Unternehmer?<\/strong><\/p>\n<p>Eine optimale Vorbereitung startet weit vor dem eigentlichen Verkaufsprozess. Es geht vor allem darum, Abh\u00e4ngigkeiten vom Inhaber zu reduzieren, wichtige Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Kunden oder Lieferanten abzusichern oder breiter aufzustellen sowie Transparenz im Zahlenwerk zu schaffen. Viele Unternehmer versteuern die Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne leider auf privater Ebene, obwohl sie den Erl\u00f6s m\u00f6glichst steuerneutral in andere Vorhaben reinvestieren m\u00f6chten. Hier sind Steuerberater in der Pflicht, fr\u00fchzeitig geeignete Strukturen aufzusetzen. Schlussendlich kann das Unternehmen noch so gut aufgestellt sein, wenn der Unternehmer nicht bereit ist, emotional loszulassen. Steht der Prozess an, gilt es f\u00fcr uns, nicht nur die Finanzkennzahlen, sondern das Unternehmen als Ganzes mit seinem einzigartigen Gesch\u00e4ftsmodell umfassend zu verstehen. Durch diesen Prozess lernt h\u00e4ufig auch der Unternehmer seinen Betrieb nochmals viel besser kennen. Im Kern geht es um die realistische Ermittlung von Chancen und Risiken sowie der Marktposition und den zugrunde liegenden Alleinstellungsmerkmalen. Das Verst\u00e4ndnis von Technologien, Prozessen, der Verteilung des Umsatzes nach Produkten, Dienstleistungen und Regionen l\u00e4sst uns strategische Ankn\u00fcpfungspunkte zu m\u00f6glichen Investoren ableiten. Wir empfehlen unseren Mandanten nach M\u00f6glichkeit immer, im Prozess Alternativen aufrechtzuerhalten und Exklusivit\u00e4tsphasen \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 kurz zu halten. Unsere zentrale Aufgabe ist es dann, unterschiedliche Investorentypen entsprechend zu w\u00fcrdigen und mit den f\u00fcr die Entscheidung relevanten Informationen zu versorgen. Entsteht dann noch eine Vertrauensbasis zwischen Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer, lassen sich auf der Zielgeraden meist sogar die kniffligsten Vertragsklauseln aus dem Weg r\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong>Welche Fehler in der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung sollte man unbedingt vermeiden? Haben Sie vielleicht eine Art Topliste f\u00fcr beide Phasen \u2013 vor und w\u00e4hrend des Verkaufs?<\/strong><\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufiger Fehler besteht darin, zu sp\u00e4t oder \u00fcberhaupt nicht mit den Vorbereitungen anzufangen. Zeit und Potenziale, die hier verloren gehen, lassen sich meist nicht mehr aufholen und sorgen je nach Ausgangssituation f\u00fcr Verkaufsdruck und schlechtere Bedingungen. Timing ist wichtig \u2013 dennoch sollte es nicht das Ziel sein, auf dem Peak zu verkaufen, gegebenenfalls sogar noch durch kurzfristige Kosteneinsparungen, die langfristig die Wettbewerbsf\u00e4higkeit infrage stellen. \u00dcberschreitet das Unternehmen w\u00e4hrend des Prozesses seinen Zenit und bricht die Auftragslage weg, liegt das Vorhaben erst einmal auf Eis und verz\u00f6gert sich weiter. W\u00e4hrend des Verkaufsprozesses passieren die h\u00e4ufigsten Fehler bei der Auswahl der geeigneten Kandidaten. Die Nachhaltigkeit des Interesses wird \u00fcbersch\u00e4tzt, Alternativen fr\u00fchzeitig \u00fcber Bord geworfen und die Festlegung der wesentlichen Parameter auf die lange Bank geschoben. Passen die Rahmenbedingungen und ist das Momentum gut, haben unn\u00f6tige Verz\u00f6gerungen keinen Platz und gef\u00e4hrden den Projekterfolg. K\u00e4ufer stellen die Verkaufsabsicht infrage und fokussieren sich auf andere Investitionsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann soll man verkaufen? Wie soll man verkaufen? Mit einem M&#038;A-Profi arbeiten? Einem Unternehmer stellen sich bei einem m\u00f6glichen Verkauf vielerlei Fragen. 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